22. September 2023

Politisches Hofgespräch mit der Spitzenkandidatin Angela Dorn

Hessische Landwirtschaftspolitik weitergedacht

Anlässlich der Landtagswahlen in Hessen trafen sich heute Tim Treis, Sprecher der Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen e.V. (VÖL), Martin Trieschmann, Mareike Weißmüller (beider Vorstand der VÖL) und Johanna Krähling (Bioland-Junglandwirtin) mit der Spitzenkandidatin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Angela Dorn auf dem Hofgut Kapellenhof in Hammersbach.

Zu Beginn des Treffens zeigte Betriebsleiter Pascal Küthe im Rahmen eines Hofrundgangs wie auf dem Kapellenhof eine bodenschonende und klimafreundliche Landwirtschaft umgesetzt wird, die die Biodiversität schützt und Ressourcen einspart. Ein Ansatz ist dabei die Schaffung von kleinen Inseln in der Agrarlandschaft, um der heimischen Flora und Fauna einen Rückzugsort zu bieten.

In diesem Zusammenhang sprach Tim Treis die Forderung der VÖL an, dass Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Hessen auch nach der Landtagswahl weiterhin in einem Ressort verortet bleiben. „Nur so kann es gelingen, die verschiedenen Belange des mit wenig Reibungsverlust abzustimmen und zu guten Lösungen für alle zu kommen.“ sagte Treis. Kontroverse Debatten könnten zudem innerhalb eines Hauses besser zu führen sein als über Bereiche, Ressorts und Ministerien hinweg, so Treis.

In der anschließenden Gesprächsrunde wurde intensiv zu verschiedenen aktuellen agrarpolitischen Themen diskutiert. Mareike Weißmüller zeigte auf, dass der Ökolandbau ein echter Innovationstreiber in der Landwirtschaft ist. „Dabei liegt der Anteil der Bio-Forschung an den gesamten Agrarforschungsmitteln bei ca. 2 % und ist damit viel zu gering, um die Forschungsfragen für eine zukunftsfähige Land- und Lebensmittelwirtschaft in ausreichendem Umfang anzupacken.“ Laut Weißmüller muss dieses Defizit dringlich behoben werden, um die Agrarforschung am 25 % Bio-Ziel der hessischen Landesregierung auszurichten. Die dauerhafte Stärkung des Praxisforschungsnetzwerks Hessen, das aktuell im Rahmen des Ökoaktionsplan des Landes Hessen gefördert wird, wurde in diesem Zusammenhang beispielhaft genannt.

Martin Trieschmann sprach das Thema der künftigen Regulierung gentechnisch manipulierter Pflanzen an. „Als Mitglied des Netzwerks der Gentechnikfreien Regionen Europas kommt dem Land Hessen bei diesem Thema eine besondere Verantwortung zu. Das Vorsorgeprinzip, die Wahlfreiheit für Bäuerinnen und Bauern sowie für alle Verbraucher*innen und patentfreies Saatgut gilt es in jedem Fall zu erhalten. Ich wünsche mir hier eine klare Positionierung des Landes Hessen. Auch nach der Landtagswahl.“

Zum Thema „Ausbildung in Hessen im Bereich der Landwirtschaft“ sagte Johanna Krähling: „Aus gutem Grund gibt es das Ziel von 25 % Ökolandbaufläche in Hessen bis 2025. Um dieses Ziel zu erreichen und langfristig weiter auszubauen, braucht es in jedem Fall Junglandwirt*innen die eine gute Ausbildung im Bereich des Ökolandbaus haben. Das Land Hessen steht hier in der Pflicht die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen.“

Angela Dorn ging auf die genannten Punkte ein und stellte heraus: „Um das Wissen für die Agrarwende zu stärken, setzen wir auf die Integration von Ökolandbau sowie Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsmaßnahmen in Lehrpläne, Förderungen außerschulischer Lernorte und die Stärkung von Praxisforschungsnetzwerken. Innovative Lösungen für Agrarsystemforschung wollen wir aus der Wissenschaft durch Reallabore in die Praxis überführen und ein Innovationszentrum für Agrarsystemtransformation mit wissenschaftlichen Partnerorganisationen in Hessen gründen.”

Die Grüne Spitzenkandidatin Dorn betonte zudem: „Hessen ist mit ca. 17 Prozent Ökolandbau bundesweit schon Vorreiter im Ökolandbau und erstes Ökomodellland Deutschlands. Wir wollen, dass Hessen spitze bleibt und der Anteil weiter steigt, zunächst auf 25% im Jahr 2025. Dafür wollen wir regionale Wertschöpfungsketten von der Erzeugung über die Verarbeitung bis hin zur Vermarktung stärken. Ökolandbau bleibt dabei unser Leitbild, aber wir wollen die gesamte Landwirtschaft in Hessen nachhaltiger gestalten.“

Im Gespräch wurde immer wieder deutlich, wie eng die Bereiche Wissenschaft und Ökolandbau verbunden sind und wie fruchtbar ein direkter Austausch ist, um die hessische Landwirtschaftspolitik weiterzuentwickeln.

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