19. August 2026

Trockenheit setzt Landwirtschaft in Hessen massiv unter Druck

Endlich regnet es. Doch die aktuellen Niederschläge sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Im August fielen bislang landesweit im Mittel lediglich rund 5 Liter Niederschlag je Quadratmeter und ausgiebiger Regen ist weiterhin nicht in Sicht. Damit dauert die anhaltende Trockenheit weiter an und stellt die Landwirtschaft in Hessen vor erhebliche Herausforderungen.

„Durch den ausbleibenden Regen bin ich viele zusätzliche Stunden mit der Fütterung und Wasserversorgung meiner Tiere beschäftigt. Zudem mussten wir schon jetzt Futter zukaufen“, sagt Nik Hampel vom Sonnenhof in Schotten. Aber nicht nur die Tierhalter sind betroffen: „Bedingt durch den niedrigen Pegel dürfen wir unsere Gemüsekulturen nicht mehr mit dem Wasser aus dem nahe gelegenen Bach bewässern. Dabei brauchen unsere Pflanzen bei den hohen Temperaturen dringend Wasser. Wenn nicht bald ausgiebiger Regen fällt, ist mit hohen Ertragsverlusten zu rechnen“, berichtet Simon Arbach vom Gemüsekollektiv in Hebenshausen.

Die Dimension der Trockenheit wird auch bei der Betrachtung der aktuellen Messdaten des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) deutlich: 61 Prozent der Grundwassermessstellen in Hessen liegen im niedrigen oder sehr niedrigen Bereich und rund 84 Prozent der hessischen Pegel weisen derzeit Durchflüsse unterhalb des mittleren Niedrigwasserabflusses auf. Vor diesem Hintergrund fordern die Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen (VÖL Hessen) und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft in Hessen (AbL Hessen) neben schneller, unbürokratischer Hilfe ein weitsichtiges Handeln der Politik für Klimaschutz und Klimaanpassung.

„Die aktuelle Situation zeigt unmissverständlich: Klimaschutz und Klimaanpassung sind keine Zukunftsaufgaben, sondern eine unmittelbare Notwendigkeit für die Landwirtschaft in Hessen. Anders formuliert: Ein Grundstein für eine sichere, regionale Lebensmittelversorgung ist ein ambitionierter Klimaschutz in allen Bereichen. Für die Landwirtschaft heißt das z. B. eine humusmehrende Wirtschaftsweise fördern. Zudem braucht es mehr Forschung zu Sorten und Anbausystemen, die für Ertragssicherheit unter den sich verändernden Bedingungen sorgen“, erklärt Tim Treis, Sprecher der VÖL Hessen.

„Aus bäuerlicher Sicht ist klar: Wer Tierhaltung, Ackerbau, Grünland und verschiedene Kulturen sinnvoll miteinander verbindet, verteilt Risiken und schafft mehr Stabilität. Viele unserer Betriebe unternehmen große Anstrengungen, um hier voranzukommen. Beispiele hierfür sind vielfältige Fruchtfolgen und die Agroforstwirtschaft. Um hier weiter voranzukommen, ist es dringend notwendig, die Förderung entsprechend zu gestalten. Konkret heißt das: Die GAP ab 2028 muss gezielt Betriebe fördern, die ihre Bewirtschaftung resilient ausrichten und damit langfristig zur Ernährungssicherheit beitragen. Pauschale Flächenprämien werden uns hingegen nicht in eine Agrarstruktur der Zukunft führen. Auch die nun von Minister Rainer angekündigte, pauschale Aufstockung der Basisprämie für alle Flächen als Reaktion auf schlechte Ernten löst aus Sicht der AbL keine strukturellen Probleme – sie verschärft sie“, sagt Oliver Diehl (AbL Hessen).

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